Luftreiniger kaufen: CADR verstehen, Raumgröße rechnen, Filterkosten prüfen
Ratgeber · zuletzt geprüft am · Lesezeit rund 7 Minuten
Beim Luftreiniger gibt es genau eine Zahl, die zählt: die Reinigungsleistung CADR in Kubikmetern pro Stunde. Alles andere — Raumgrößenangaben, Filterbezeichnungen, Sensorik — ist entweder daraus abgeleitet oder Beiwerk.
Kurz gesagt
CADR (Clean Air Delivery Rate) gibt an, wie viel gefilterte Luft ein Gerät je Stunde liefert. Für die Auslegung gilt: Raumvolumen in Kubikmetern mal gewünschte Luftwechsel je Stunde ergibt den benötigten CADR — bei Allergikerräumen werden üblicherweise vier bis fünf Luftwechsel angesetzt.
- Rechenweg: Grundfläche × Deckenhöhe = Raumvolumen; Raumvolumen × 4 bis 5 = benötigter CADR in m³/h.
- Herstellerangaben zur „empfohlenen Raumgröße“ beruhen oft auf nur zwei Luftwechseln je Stunde — für Allergiker ist das zu wenig.
- H13 nach EN 1822 bedeutet, dass der Filter mindestens 99,95 Prozent der am schwersten abscheidbaren Partikelgröße zurückhält. „True HEPA“ ist dagegen keine genormte Angabe.
- Der Geräuschpegel bei voller Leistung entscheidet darüber, ob das Gerät nachts läuft — und ein ausgeschaltetes Gerät hat einen CADR von null.
- Filter sind die eigentlichen Betriebskosten: Original-Ersatzfilter kosten je nach Modell einen erheblichen Teil des Gerätepreises pro Jahr.
Was CADR bedeutet und wie Du ihn für Deinen Raum rechnest
CADR steht für Clean Air Delivery Rate und beschreibt das Volumen vollständig gereinigter Luft, das ein Gerät je Stunde abgibt. Ein Gerät mit 400 m³/h liefert also stündlich 400 Kubikmeter Luft in Reinraumqualität — in einem Raum mit 100 Kubikmetern entspricht das vier Luftwechseln.
Genau diese Umrechnung nehmen viele Herstellerangaben nicht vor. Wenn ein Gerät „für Räume bis 80 m²“ empfohlen wird, steckt dahinter meist ein einzelner oder doppelter Luftwechsel je Stunde. Für die Verringerung von Pollen, Tierhaarallergenen und Feinstaub werden dagegen üblicherweise vier bis fünf Luftwechsel angesetzt — dieselbe Wohnung braucht dann ein deutlich stärkeres Gerät.
| Raum | Volumen (bei 2,5 m Höhe) | CADR für 4 Luftwechsel |
|---|---|---|
| Schlafzimmer, 12 m² | 30 m³ | rund 120 m³/h |
| Kinderzimmer, 16 m² | 40 m³ | rund 160 m³/h |
| Wohnzimmer, 25 m² | 62,5 m³ | rund 250 m³/h |
| Offener Wohnbereich, 40 m² | 100 m³ | rund 400 m³/h |
| Büro, 20 m² | 50 m³ | rund 200 m³/h |
Eigene Rechnung nach der Formel Volumen × Luftwechsel. Bei offenen Grundrissen zählt das Volumen, durch das die Luft tatsächlich zirkuliert — nicht nur der Raum, in dem das Gerät steht.
Welche CADR-Werte die aktuellen Geräte angeben und wie sie sich zur beworbenen Raumgröße verhalten, steht in der Tabelle — zum Luftreiniger-Vergleich →
Sind CADR-Angaben verschiedener Hersteller vergleichbar?
Nur eingeschränkt. Der CADR-Wert stammt aus standardisierten Prüfverfahren, in Europa und Asien werden aber unterschiedliche Normen und Prüfpartikel verwendet, und manche Hersteller nennen den Wert für Rauch, andere für Staub oder Pollen. Wo die Prüfgrundlage fehlt, ist eine Zahl ohne Kontext.
Praktisch heißt das: Angaben mit genannter Prüfnorm sind belastbarer als eine nackte Zahl. Und wenn nur eine „empfohlene Raumfläche“ genannt wird, sollte man sie zurückrechnen — Fläche mal Höhe ergibt das Volumen, und ein Gerät, dessen CADR unter dem zweifachen Volumen liegt, ist für allergiebedingte Anforderungen zu klein.
Filter: H13, Aktivkohle und was wirklich nötig ist
Der mechanische Filter ist der arbeitende Teil des Geräts. Die Klassifizierung nach EN 1822 unterscheidet unter anderem E11, H13 und H14; H13 hält mindestens 99,95 Prozent der Partikel in der am schwersten abscheidbaren Größe zurück. Bezeichnungen wie „True HEPA“ oder „HEPA-ähnlich“ sind dagegen nicht genormt und sagen für sich genommen nichts.
Ein Vorfilter für Haare und groben Staub verlängert die Standzeit des Hauptfilters erheblich und lässt sich meist auswaschen — er ist der wirtschaftlichste Teil des Systems. Aktivkohle bindet Gerüche und flüchtige Verbindungen, sättigt sich aber und muss ersetzt werden; wie viel Kohle verbaut ist, entscheidet über die Wirkung. Ein dünnes Vlies mit Kohlebeschichtung leistet deutlich weniger als eine Schüttung.
Ionisatoren und UV-C-Lampen sind Zusatzfunktionen, keine Ersatzlösungen. Bei Ionisatoren lohnt der Blick, ob sich die Funktion abschalten lässt — je nach Bauart kann dabei Ozon entstehen, das man in Innenräumen nicht haben will.
Was die Filterkosten wirklich ausmacht
- Preis des Originalfilters und empfohlenes Wechselintervall (oft 6 bis 12 Monate) — beides vor dem Kauf nachsehen.
- Kombifilter oder Einzelfilter: Kombieinheiten sind bequem, aber teurer, weil Vorfilter, HEPA und Kohle gemeinsam getauscht werden.
- Auswaschbarer Vorfilter senkt die Kosten deutlich; regelmäßiges Absaugen genügt oft.
- Verfügbarkeit in ein paar Jahren: Ein günstiges Gerät ohne dauerhaft lieferbare Filter ist ein Wegwerfgerät.
- Filteranzeige nach Laufzeit oder nach Belastung — Letztere ist ehrlicher, weil sie den tatsächlichen Betrieb abbildet.
Lautstärke: das Kriterium, das über die Wirkung entscheidet
Ein Luftreiniger wirkt nur, während er läuft — und er läuft nur, wenn er niemanden stört. Deshalb ist der Geräuschpegel kein Komfortdetail, sondern ein Leistungskriterium. Entscheidend ist die Kombination: Welchen CADR liefert das Gerät auf der Stufe, die Du nachts erträglich findest?
Ein größeres Gerät auf mittlerer Stufe ist deshalb fast immer die bessere Wahl als ein kleines auf Anschlag: gleiche Reinigungsleistung, weniger Geräusch, geringerer Verschleiß. Wer nachts filtern will, achtet zusätzlich darauf, dass sich Statusleuchten abschalten lassen.
Was ein Luftreiniger leisten kann — und was nicht
Bei allergischen Beschwerden kann ein passend ausgelegtes Gerät die Partikelbelastung im Raum senken; ob und wie stark sich Beschwerden dadurch verändern, ist individuell und gehört mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen. Wir bewerten hier Technik, keine gesundheitlichen Wirkungen.
| Wirkt gut gegen | Wirkt begrenzt gegen | Wirkt nicht gegen |
|---|---|---|
| Pollen, Hausstaub, Tierhaarallergene | Gerüche (nur mit ausreichend Aktivkohle) | Kohlendioxid und verbrauchte Luft |
| Feinstaub aus Verkehr und Kaminen | Zigarettenrauch (Partikel ja, Gase nur bedingt) | Schimmel in der Wand — Ursache bleibt |
| Schwebende Partikel allgemein | Kochgerüche (Dunstabzug wirkt schneller) | Feuchtigkeitsprobleme |
Bei Schimmelgeruch oder anhaltend feuchten Wänden ist ein Luftreiniger die falsche Maßnahme: Er filtert Sporen aus der Luft, während die Ursache weiterarbeitet.
Die häufigsten Fehlkäufe — und was stattdessen hilft
Die beworbene Raumgröße ungeprüft übernehmen
Selbst rechnen: Fläche × Höhe × 4 bis 5 Luftwechsel ergibt den nötigen CADR. Herstellerangaben beruhen oft auf ein bis zwei Luftwechseln.
Ein kleines Gerät dauerhaft auf höchster Stufe laufen lassen
Ein größeres Gerät auf mittlerer Stufe wählen. Gleiche Reinigungsleistung, deutlich leiser — und nur ein leises Gerät läuft auch nachts.
Filterkosten erst nach dem Kauf ansehen
Preis und Wechselintervall des Originalfilters vor dem Kauf nachschlagen und auf das Jahr hochrechnen.
Das Gerät in die Ecke oder hinter Möbel stellen
Frei aufstellen, Ansaug- und Ausblasseite freihalten. Der Aufstellort verändert die tatsächliche Wirkung stärker als zwei Ausstattungsmerkmale.
Auf Lüften verzichten, weil ein Luftreiniger läuft
Weiter regelmäßig lüften. Filter entfernen Partikel, aber kein Kohlendioxid — die Luft wird sauber, nicht frisch.
Häufige Fragen
Welchen CADR brauche ich für ein 20-Quadratmeter-Zimmer?
Bei 2,5 Metern Deckenhöhe hat der Raum 50 Kubikmeter. Für vier Luftwechsel je Stunde ergibt das rund 200 m³/h CADR, für fünf Luftwechsel rund 250 m³/h. Angaben zur „empfohlenen Raumgröße“ auf der Verpackung liegen häufig darunter, weil sie mit weniger Luftwechseln rechnen.
Was bedeutet H13 beim Filter?
H13 ist eine Klasse nach der Norm EN 1822 und bedeutet einen Abscheidegrad von mindestens 99,95 Prozent bezogen auf die am schwersten abscheidbare Partikelgröße. Bezeichnungen wie „True HEPA“ oder „HEPA-Typ“ sind nicht genormt und lassen keinen Rückschluss auf die Leistung zu.
Was kosten die Filter im Jahr?
Das hängt stark vom Modell ab und gehört vor dem Kauf geprüft: Originalfilter kosten je nach Gerät einen erheblichen Teil des Anschaffungspreises, empfohlene Wechselintervalle liegen häufig zwischen sechs und zwölf Monaten. Geräte mit auswaschbarem Vorfilter und getrennt tauschbaren Elementen sind im Unterhalt günstiger als solche mit Kombifiltern.
Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
Er filtert Sporen aus der Raumluft, beseitigt aber nicht die Ursache. Schimmel entsteht durch Feuchtigkeit; solange sie besteht, wächst er weiter. Die richtige Maßnahme ist, die Feuchtigkeitsquelle zu finden und zu beseitigen — gegebenenfalls mit fachlicher Hilfe.
Sollte der Ionisator eingeschaltet bleiben?
Nicht zwingend. Die Filterleistung kommt vom mechanischen Filter; der Ionisator ist eine Zusatzfunktion, die je nach Bauart Ozon erzeugen kann. Sinnvoll ist ein Gerät, bei dem sich diese Funktion getrennt abschalten lässt.
Wo stelle ich einen Luftreiniger am besten auf?
Frei im Raum, nicht direkt an der Wand und nicht hinter Möbeln, damit Ansaug- und Ausblasöffnungen frei bleiben. Etwas erhöht aufgestellt erfasst das Gerät die Luftschichten besser, in denen sich Schwebstoffe halten. Der Aufstellort beeinflusst die tatsächliche Wirkung deutlich.
Und jetzt konkret: welches Gerät?
Im Luftreiniger-Vergleich stehen 7 Geräte mit genau den Werten, um die es oben ging — jeder Wert mit Quelle, jedes Gewicht offengelegt, fehlende Herstellerangaben sichtbar als „k. A.“ statt still ergänzt. Ein Labortest ist das nicht, und wir nennen es deshalb Vergleichssieger, nicht Testsieger.
Luftreiniger im Vergleich ansehen →Quellen
Angaben nach bestem Wissen zum 5. August 2026. Wer einen Fehler findet, darf uns das über das Feld im Seitenfuß sagen — wir korrigieren und schreiben das Datum neu.
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